Leserbrief von Pascal Schuchert
Vater aus Pferdsdorf
Zum Beitrag: Leserbrief: Kindergartenschließung Pferdsdorf – Zwischen Nostalgie & Verantwortung
Sehr geehrte Redaktion,
ich war bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung anwesend, in der die Schließung des Kindergartens in Pferdsdorf beschlossen wurde. Was mich seitdem beschäftigt, ist weniger die Entscheidung selbst als der Weg, auf dem sie getroffen wurde.
Zu Beginn der Sitzung stellte der Bürgermeister sachlich Zahlen zur Einwohnerentwicklung und zur Geburtenlage vor und erläuterte diese anhand von Bildern und Darstellungen. Diese Fakten sind bekannt und nachvollziehbar. Sie erklären jedoch nicht, warum die Konsequenzen dieser Entwicklung ausschließlich den Ortsteil Pferdsdorf treffen sollen.
Der Kindergarten in Pferdsdorf war einer der zentralen Punkte der Sitzung. Getagt wurde jedoch in Sünna. Das ist formell zulässig. Bei einer Entscheidung, die einen ganzen Ort betrifft, hätte es jedoch Stärke und Rückgrat gezeigt, die Sitzung dort abzuhalten, wo die Folgen dieser Entscheidung unmittelbar spürbar sind. Vor Ort zu entscheiden bedeutet, Verantwortung sichtbar zu übernehmen.
Im Anschluss an die Aussprache wurde die Abstimmung zur Schließung als geheime Wahl durchgeführt. Damit blieb offen, welche Gemeinderatsmitglieder diese Entscheidung getragen haben und welche nicht.
Gerade vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit des Gemeinderats aus anderen Ortsteilen stammt, wäre eine offene Abstimmung für viele nachvollziehbarer gewesen.
In der Bürgerfragestunde hatte ich einen kurzen, sachlichen Text vorbereitet, den ich vortragen wollte. Der Gemeinderatvorsitzende erklärte mir, wenn es sich dabei nicht um eine konkrete Frage handele, sei es ein „Statement“, und solche Beiträge würden nicht zugelassen. Zu einer inhaltlichen Wortmeldung kam es nicht.
Für mich war das – gerade im Gesamtzusammenhang dieser Sitzung – ein schwaches Zeichen. Bei einer Entscheidung, die Kinder, Familien und einen ganzen Ort betrifft, sollte es möglich sein, dass Bürger ihre Sicht der Dinge kurz vortragen dürfen, unabhängig davon, ob dies formal als Frage oder als Stellungnahme eingeordnet wird.
Ich hatte kurz zuvor bereits einen Leserbrief zu diesem Thema veröffentlicht. Ob und inwieweit dies im Zusammenhang mit der Verweigerung meines Wortbeitrags stand, kann ich nicht beurteilen. Der zeitliche Zusammenhang verstärkte bei mir jedoch den Eindruck, dass kritische Stimmen an diesem Abend keinen Raum haben sollten.
Am Ende der Sitzung war spürbar, dass das Thema emotional ist. Doch Haltung zeigt sich nicht in Gesten, sondern im Umgang mit den Menschen, die die Folgen einer solchen Entscheidung tragen müssen. Wer Verantwortung übernimmt, sollte Zuhören zulassen.
Ich habe den Sitzungsraum verlassen, weil ich mir nicht den Mund verbieten lasse, wenn es um mein Kind, meine Familie und meinen Ort geht. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung.
Pferdsdorf ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde. Wir haben weniger Einfluss, weniger Stimmen und verlieren nun auch die letzte Einrichtung für Kinder. Gerade deshalb wären Offenheit, Dialog und der Mut zur direkten Auseinandersetzung wichtig gewesen.
Die Schließung ist beschlossen. Zurück bleibt bei vielen nicht nur Traurigkeit, sondern das Gefühl, dass Beteiligung dort endet, wo Entscheidungen bereits feststehen. Dieses Gefühl kostet Vertrauen.
Mit freundlichen Grüßen
Pascal Schuchert
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